Was künstlerisches Arbeiten für mich bedeutet

 

Alles Fühlen, Denken und Handeln ist im Gehirn programmiert – niemand weiß nach einem Schlaganfall genau, mit welchen Ausfällen Schlaganfallbetroffene ab jetzt konfrontiert sein werden.

Die körperlichen Veränderungen zeigen sich sehr schnell; alles andere habe ich abfragen und testen müssen.

Kann ich noch fühlen und mitfühlen?

Kann ich meine Gedanken noch zu Ende denken?

Kann ich noch reagieren?

Kann ich die Fremdsprachen noch genauso wie vorher?

Kann ich noch kreativ sein?

Und dann die entscheidende Frage, vor der ich persönlich so große Angst hatte und sie viele Tage lang verdrängte:

Kann ich noch zeichnen?

Oben sehen Sie meinen ersten Versuch.

Ich weiß, hätte ich diese Frage im Test negativ beantworten müssen, dann wäre einiges in meiner Rehabilitation schwieriger, mutloser und trauriger verlaufen.


Der künstlerische Ausdruck hilft mir, mit Abstand auf meine Krankheit zu schauen. Ich erfahre, dass ich mehr bin als ein Mensch mit gelähmter Hand, schwerfälligem Arm und Bein (Hemiplegie), tauber Gesichtshälfte und gefühlloser Hand.


Beim Zeichnen, Malen, Gestalten, Singen, Tanzen, Musizieren, Fantasieren, etc. werden Areale im Gehirn angesprochen, weit entfernt vom Grübeln, von der Angst, entfernt vom Beurteilen und Zweifeln. Und ganz nah an der Freude, der Dankbarkeit, der Fröhlichkeit, den Gefühlen.

Wenn wir selbst etwas kreativ gestalten, dann erfahren wir, dass wir selbst aktiv sein können. Raus aus der Passivität, aus der Fremdbestimmung.

Und immer, wenn wir selbst etwas aktiv gestalten, werden Selbstheilungskräfte freigesetzt – und die brauchen wir dringend zur Genesung.