Wie ich lebe, lerne und mich rehabilitiere

 

Wir Menschen mit dem Schicksal: Schlaganfall, erleben einen Alltag des intensiven Neu-Lernens. Das Gehirn möchte mit neuen Informationen gefüttert werden, um eine neue Körpererfahrung aufzubauen und zu stabilisieren.


Wie viele von Ihnen habe leider auch ich schon früh in der Schule erfahren, dass Lernen selten Spaß machte. Lernen war verbunden mit Stress, Ängsten, Druck und strenger, oft ungerechter Beurteilung.

Glücklicherweise konnte ich mir meine Offenheit bewahren, auch neue günstigere Erfahrungen zuzulassen.

Lernen begleitet mein ganzes Leben – ich bin immer im Prozess. Manchmal vergesse ich jedoch, den aktuellen Stand meiner Rehabilitation wahrzunehmen und zu überprüfen: Mir fiel auf, dass es Sinn macht hin und wieder den Körper zu befragen, ob diese oder jene Bewegung wirklich immer noch nicht funktioniert.

Durch das Training hat sich oft schleichend und unbemerkt etwas zum Positiven entwickelt, was wir Betroffene gar nicht mitbekamen. Interessanterweise ist es dann manchmal schwer, sich darüber zu freuen und den erneuten Fortschritt anzuerkennen. Wir hatten unser Leben doch schon so schön auf das Defizit ausgerichtet.

Ich z. B. kann mittlerweile mit hoher Konzentration mit Messer und Gabel essen, verdränge es aber häufig, weil nur mit der Gabel zu essen doch so angenehm unkompliziert war und ist.